Haus Ruhr bei Schwerte, hier residierte Dolfs Lieblingsfeind …

Die Story

Unter den ärmlichen Bedingungen des Vormärz, des Jahrs ohne Sommer und in der gesellschaftlichen Unsicherheit wächst Adolph, genannt Dolf, Mohr auf dem Sommerberg auf – eine der ärmsten Gegenden im Süden Dortmunds. Als Junge muss er miterleben, wie seine geliebte Mutter an Auszehrung stirbt und sein Vater noch im gleichen Jahr eine Zwanzigjährige ins Haus holt. Er wendet sich von seinem Vater ab, wird Soldat und nach seiner Dienstzeit verdient er sich als Fuhr- und Bergmann den Lebensunterhalt. Nach seiner Entlassung aus dem Dienst lernt er seine (ältere) Ehefrau Johanna auf einem Schützenfest kennen und gründet mit ihr seine eigene Familie. Ein auf den ersten Blick unwichtiges Schicksal, das sicherlich im Strudel der Geschichte verschwunden wäre, wäre die Not der Menschen und seiner Familie nicht immer größer geworden. Missernten beim Getreide und bei den Kartoffeln führen zu Hungerjahren, gegen die die Regierung machtlos ist. Hinzu kommt der Unmut wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Löhne, die die Arbeiter auf die Barrikaden bringen. Dolfs Geschäfte als Fuhrmann laufen immer schlechter, nur sein Kotten und ein Ausschank in seinem Haus helfen ihm und seiner Familie zu überleben. Doch bei den Nachbarn spitzt sich die Situation immer weiter zu, Menschen verhungern. Gerade Johanna leidet unter den Klagen der Nachbarn und fühlt sich verantwortlich, eine Lösung zu finden. Sie hat Angst, dass ihre Kinder Hunger leiden werden. Sie zwingt Dolf zu handeln und die Verantwortung nicht nur für seine Familie, sondern auch für die verschworene Gemeinschaft auf dem Sommerberg zu übernehmen. Dolf bricht bei reichen Bauern ein, stiehlt Kartoffeln, Fleisch und Getreide und verteilt die Beute auf dem Sommerberg. Er hilft seinen Nachbarn gegen die Steuerbeamten, indem er ihnen das dringend nötige Geld zurückbringt. Er überfällt Kaufleute im Wald und steigt sogar in Gutshäuser wichtiger Politiker ein, landet dafür im Gefängnis. Von seinen Freunden bekommt Dolf Alibis oder flieht, kann dadurch seine Ergreifung durch die Gendarmen immer wieder verhindern. Zuerst unterstützt ihn seine Ehefrau voller Stolz, da der Räuberhauptmann Dankbarkeit und Anerkennung unter den Bewohnern erntet und sein Ruhm auf sie abfärbt. Langsam bildet sich eine Räuberbande um Dolf, alles Männer, die kein Glück im Leben oder nur gelernt haben, sich durch Gaunereien durchzuschlagen. Seine Familie rückt dadurch in den Hintergrund. Die Liebe zu Johanna bekommt erste Risse, vor allem ab dem Zeitpunkt, als Dolf ihren Erstgeborenen mit in seine Bande einbinden will, und der Räuberhauptmann die dominante Rolle in Dolfs Leben wird. Seine Räuber tun ihr Übriges, Dolf mit einem hinterhältigen Plan von seiner Ehefrau zu trennen, um ihre lukrative Einnahmequelle nicht zu gefährden. Johanna ist Dolfs moralischer Kompass und soll verschwinden. Die Räuber bestechen die Zigeunerin Fasana, auf einer Kirmes Dolf nicht nur die Zukunft vorherzusagen, sondern ihn auch um den Finger zu wickeln. Es gelingt ihr mit ihrem offensiven Charme, dass der Räuberhauptmann ihren Reizen erliegt und sie sich als Geliebte nimmt. Der Bruch mit Johanna ist vorprogrammiert. Dolfs Taten werden immer dreister, und er geht ganz in seiner Rolle als Räuberhauptmann und Robin Hood auf, genießt den Ruhm und sogar das Räuber-und-Gendarm-Spiel mit der wachsenden Polizeigewalt. Besonders mit dem ehrgeizigen Gendarmen Franz Mönkebüscher gerät Dolf immer wieder aneinander. Vor allem aber der Industrielle, Gutsbesitzer und Politiker Carl Overweg wird zu Dolfs größtem und mächtigstem Widersacher. Dolf wagt es, in sein Gut einzubrechen und Luxusgegenstände mitgehen zu lassen, überfällt Overwegs Weiden und tötet dessen Vieh. Eine Schmach und Schande, die sich der ehrgeizige Politiker nicht gefallen lassen will. Er setzt seine Macht ein, um Entscheidungsträger zu beeinflussen, die Schlinge um den Hals des Mannes enger zu ziehen, der ihn lächerlich gemacht hat und die geltende Gesellschaftsordnung ins Wanken bringt. Für ihn ist Dolf eine persönliche Angelegenheit und eine ernste Bedrohung seiner Welt. Overweg veranlasst, dass weitere „harte Polizeihunde“ nach Hörde zusammengezogen werden, die sich einen Wettkampf um die Ergreifung des Räubers leisten. Dolf verfügt über ein Räuberversteck im Wald, wechselt bis zu fünf Male am Tag die Kleidung und maskiert sich sogar als Frau, um zu entwischen. Dolfs Coups sind witzig, charmant und dreist zugleich, aber sie entgleiten ihm mehr und mehr. Längst ist er besessen von seiner Rolle. Johanna, die ihren Mann kaum noch zu Gesicht bekommt und die Veränderungen seines Charakters nicht gutheißt, verlangt, dass Dolf das Räuberleben aufgibt, oder sie wird ihn an die Polizei verraten. Sie will ihn zurück in das bürgerliche Leben zwingen, ahnt jedoch nicht, dass Dolf sich tatsächlich tiefer verändert hat, als ihr lieb sein kann. Dolf glaubt ihr nicht und riskiert weiter sein Familienglück für die eigene Sucht nach Ruhm und Reichtum, versteht nicht, worum es seiner Frau geht, und dass er seine Familie als Räuberhauptmann nicht wird halten können. Seine Lebensentscheidung steht kurz bevor. Nach einem brutalen Überfall auf ein Bauernehepaar, bei dem der Mann mehrere Stichwunden erleidet, ist für Dolf der Spaß vorbei. Ihm wird der Prozess gemacht, er kommt ins Zuchthaus, kann aber zum letzten Mal fliehen. Johanna kehrt ihm nach dieser ausufernden Brutalität vollends den Rücken und wirft ihn hinaus. Er verliert das, wofür er immer gekämpft hat. Dolf lebt nur noch auf der Flucht, wird von der Polizei pausenlos gehetzt. Als Johanna durch ihre eifersüchtige Schwester Elsabine von der Geliebten erfährt, reißt die letzte Verbindung zu ihrem Mann, und sie verrät ihn an Mönkebüscher, der zu Karneval 1851 das Gasthaus umstellen lässt, in dem Dolf feiert. Bei der Flucht trifft ihn Mönkebüscher aus Versehen in den Rücken. Dolf kann noch weglaufen, stirbt aber wenig später an der Wunde. Seinen Traum, wie viele andere nach Amerika auszuwandern und alles hinter sich zu lassen, kann er nicht mehr in die Tat umsetzen. Johanna muss ihre Familie alleine durchbringen, die Nachbarn, die von Dolf gelebt haben, fangen sie in ihrer Gemeinschaft auf. Franz Mönkebüscher erhält einen Orden für die Ergreifung des Räubers, erlebt im Dienst auf dem Sommerberg aber ständig die Ablehnung der Menschen, deren Idol er getötet hat, und lässt sich schließlich von Schuld geplagt versetzen. Carl Overweg ist glücklich, den renitenten Arbeiter und seinen Ruf losgeworden zu sein, wird aber noch einmal erschüttert, als wenige Monate erneut in seinen Weinkeller eingebrochen wird. Auf Dolfs Grab in Hörde finden sich die Champagnerflaschen und die Reste des Festschmauses. Hat der Räuber doch überlebt und kann in Amerika ein neues Leben beginnen? Auf späteren Auswandererschiffen findet man auf der Passagierliste den Namen „Mohr“ …